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Die mimische Muskulatur wird durch den Nervenplexus (Nervengeflecht) des Fazialisnerven angesteuert (siehe auch Fazialisnerv - mimische Muskulatur). Der Gesichtsausdruck wird durch ein äußerst komplexes Zusammenspiel verschiedener Einzelmuskeln sowie auch Muskelgruppen der mimischen Muskulatur bestimmt und ist sowohl willkürlich (bewusst) als auch unwillkürlich (unbewusst) gesteuert. In der folgenden 3D-Graphik können Sie sich ausführlich die Anatomie der mimischen Gesichtsmuskeln aus verschiedenen Perspektiven ansehen. Klicken Sie auf die Nummern, um sich die lateinische Bezeichnung einzelner Muskeln anzeigen zu lassen. Zoomen Sie mit ihrem Mausrad hinein oder heraus. Erkennen Sie den anatomischen Bezug einzelner mimischer Muskeln zueinander und anderer Strukturen im Gesicht. Erfassen Sie den Ursprung und den Ansatz einzelner Gesichtsmuskeln an knöchernen Vorsprüngen, Knorpelgebilden und an anderen Gesichtsmuskeln. Versuchen Sie sich vorzustellen, was passiert, wenn es zu einer Verkürzung der Muskelfasern, also einer Kontraktion des Muskels kommt. Welche Zugrichtung wird erzeugt? Wie werden mobile benachbarte Strukturen reagieren? Wie wird sich die unmittelbar darüber liegende Haut bewegen? Welche Falten, welche konkaven und/oder konvexen Verwerfungen der Haut werden hierdurch generiert?

Astsystem Muskel Funktion
Schläfenbereich Augenbrauenrunzler Senkt und zieht die Augenbrauen nasenwärts
  Schlanker Muskel Zieht den inneren Augenbrauenteil nach unten
Schläfe & Jochbein Augenringmuskel Schließt die Augenlider
Jochbein & Backe Großer Jochbeinmuskel Hebt die Mundwinkel
Backe Kleiner Jochbeinmuskel Hebt die Oberlippe an
  Oberlippenheber Hebt die Oberlippe und die Nasenwangenfurche
  Oberlippen- und Nasenflügelheber Hebt die Nasenwangenfurche & komprimiert die Wange
  Lachmuskel Zieht den Mundwinkel nach außen
  Backenmuskel Zieht den Mundwinkel nach außen & komprimiert die Wange
  Mundwinkelheber Zieht den Mundwinkel nach oben und innen
  Mundringmuskel Schließt und komprimiert die Lippen
  Nasenmuskel  
  Nasenflügelheber Bläht die Nasenflügel auf
  Nasenflügelschließer Verengt die Nasenlöcher
Backe & Kiefer Mundwinkelsenker Senkt die Mundwinkel
Kiefer Unterlippensenker Senkt die Unterlippe
  Kinnmuskel Zieht das Kinn nach oben
Hals Halshautmuskel Zieht Kiefer, Mundwinkel & Unterlippe nach unten

Der Augenringmuskel (M. orbicularis oculi)

Die Öffnung des Auges und die Stellung der Augenlider wird im Wesentlichen durch den Augenringmuskel (M. orbicularis oculi) bestimmt. Sein Ursprung wird am nasenseitigen Teil des Stirnbeins, am Oberkiefer sowie am nasenseitigen Lidband lokalisiert, er umspannt das Auge und die Augenlider und setzt an der Raphe palpebralis lateralis an. Der Augenringmuskel besteht aus drei Teilen. Die sogenannte Pars orbitalis hat ihren Ursprung am Stirnfortsatz des Oberkiefers und am nasenseitigen Anteil des Stirnknochens. Die Pars palpebralis hingegen entspringt am inneren Lidbändchen und setzt im Bereich des äußeren Lidbändchens an. Die Pars lacrimalis hat ihren Ursprung am Knochenkamm des Tränenbeins (Os lacrimale) und umschließt den Tränensack.

Ist der Augenringmuskel entspannt, dann ist die Lidspalte (Weite des sichtbaren Auges, Abstand der Augenlider voneinander) entsprechend weit. Kontrahiert er ein wenig, so kommt es zu einer Verengung der Lidspalte. Wird seine Spannung bewusst oder unbewusst erhöht, so kommt es zu einem leichten Augenschluss. Ein forcierter, d.h. ein fester Augenschluss, wird durch eine maximale Anspannung des Augenringmuskels erreicht. Er kann willkürlich (Augenzusammenkneifen) oder unwillkürlich im Rahmen von blitzartigen Reflexen (Lidschlussreflex), um das Auge vor Schäden zu schützen, erfolgen.

Neben der Lidschlussfunktion hat der Augenringmuskel noch weitere wichtige Aufgaben. So ist er auch für die gleichmäßige Verteilung der Tränenflüssigkeit (Tränenfilm) aus der Tränendrüse verantwortlich, welche sich im äußeren oberen Bereich der Augenhöhle befindet. Der natürliche Blinzelreflex wird über den Fazialisnerven gesteuert. Des Weiteren erleichtert der Augenringmuskel den Abfluss der Tränenflüssigkeit über das Tränenkanalsystem im inneren Augenwinkel.

Da der Augenringmuskel mit der Lederhaut (Korium) verwachsen ist, d.h. unmittelbar der dünnen Hautschicht um das Auge aufliegt, folgt die Haut jeder Muskelbewegung. So entstehen beispielsweise bei Kontraktion des Muskels am äußeren Augenrand typische Hautfalten, sie werden auch "Krähenfüße" genannt. Sie werden mit zunehmendem Alter des Menschen prominenter.


Quelle:
Ghali S, Reanimation of the middle and lower face in facial paralysis: Review of the literature and personal approach,  Journal of Plastic, Reconstructive & Aesthetic Surgery (2011)