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Die Anatomie (altgriechisch: ἀνά aná "auf" und τομή tomé "Schnitt")  ist die Lehrer des "Aufbaus" eines Organismus. In der Medizin unterteilt man in makroskopische - (grober Aufbau von Organen und Geweben) und mikroskopische Anatomie (Strukturen die mit Hilfe von Mikroskopen beurteilt werden).

Makroskopisch betrachtet ist der Nervus Facialis der siebte von insgesamt zwölf Hirnnerven. Er entspringt der Brücke (Pons) des Hirnstamms und setzt sich dort aus drei Kernen zusammen. Diese Hirnnervenkerne verarbeiten unterschiedliche Informationen. Der Nucleus nervi facialis übernimmt die motorische Innervation (speziell visceroefferent) der Mimischen Muskulatur, einen Teil der Mundbodenmuskulatur und des Musculus stapedius (ein Muskel im Mittelohr der die Schallüberleitung moduliert). Über den Ncl. tractus solitarii wird die Geschmackswahrnehmung (speziell visceroafferent) der vorderen zwei Drittel der Zunge übermittelt [1]. Die Tränendrüse (Glandula lacrimalis) sowie die Speicheldrüsen (Gl. submandibularis, Gl. sublingualis, etc.) werden parasympathisch (allgemein visceroefferent) über den Ncl. salivatorius superior gesteuert.

Abbildung 1 Seitenansicht der anatomischen Strukturen im Gesicht (Nerven gelb, Arterien rot, Venen blau, Ohrspeicheldrüse "schaumige Struktur")

Quelle: Anatomy of the facial nerve. Agur, Dalley. Grant’s atlas of anatomy. Wolters Kluwer Health/Lippincott Williams & Wilkins; 2012 13e. p633 Fig. 7.13

Abbildung 2 Schematische Darstellung des intrakraniellen Verlaufs. 1 Nervus vestibularis, 2 Nervus cochlearis, 3 Nervus facialis, 4 Ganglion geniculi, 5 Chorda tympani, 6 Schnecke im Innenohr, 7 Bogengänge, 8 Malleus, 9 Trommelfell, 10 Tuba auditiva

Quelle: Original by Patrick J. Lynch modified by author https://bit.ly/2sI193D

Vom Hirnstamm zieht der N. facialis zum Porus acusticus internus (siehe Grafik links) und verläuft dann im Felsenbein im Canalis nervi facialis, wobei er den N. petrosus major (zu der Tränendrüse), den N. stapedius und die Chorda tympani  (Geschmackswahrnehmung, Speicheldrüsen) abgibt [2]. Der Verlauf ist in der nebenstehenden Grafik dargestellt, um die Nähe der zahlreichen Strukturen (Gemeinsamer Durchtritt des N. facialis und der Nerven für Hör- und Gleichgewichtswahrnehmung durch den Porus acusticus internus) im Felsenbein zu veranschaulichen. Durch das Foramen stylomastoideum tritt er aus dem Schädelknochen aus und verzweigt sich in Bereich der Glandula Parotis (die Ohrspeicheldrüse ist im oberen Bild als schaumige Struktur unterhalb des Ohres zu erkennen). Die übergeordneten Äste werden als Rami (Rr) (von lateinisch Ramus = Ast) bezeichnet: Rr. Temporales (Äste zur Schläfe), Rr. Zygomatici (Jochbein Äste), Rr. Buccales (Wangenäste), Rr. marginales mandibulae (Unterkieferäste) und Rr. Colli (Äste zum Hals). Diese Hauptäste unterteilen sich weiterhin in feine Unteräste. Am rostralen (zum Mund hin) Rand der

Parotis sind bereits ca. 14 Verästelungen beschrieben [3]. Die Verteilung der Astsysteme ist höchst variabel (siehe Grafik unten) [4]. Des Weiteren gibt es auch unter den Astsystemen Querverbindungen, die besonders bei Synkinesien (Erklärung unter Gesichtslähmung -> Formen -> Synkinesien) von Interesse sind [5, 6].

Abbildung 4 Variable Anlage des peripheren Verlaufs  www.dnaillustrations.com, Alexandra W. Baker, DNA Illustrations, Inc., 222 Flint St.Asheville, NC 28801

Abbildung 3  Aufzweigung des N. facialis in seine Unteräste Original by www.dnaillustrations.com, Alexandra W. Baker, DNA Illustrations, Inc., 222 Flint St.Asheville, NC 28801, modified by author

Die 21 verschiedenen, paarig angelegten Gesichtsmuskeln erlauben willkürliche und unwillkürliche Bewegung. Dazu gehören auch unter anderem das Platysma sowie die Muskeln des äußeren Ohres. Die mimische Muskulatur wird in vier Schichten eingeteilt, wobei die drei oberflächlicheren Schichten aus der Tiefe und die tiefste Muskelschicht (M. mentalis,

M. levator anguli oris und M. buccinator) von der Oberfläche her innerviert werden. Welcher Muskel aus welchem Astsystem innerviert wird ist außerdem auch variabel [7]. Die Muskeln, die Mundbewegungen ermöglichen können auch in ihrer Anordnung variieren [8]. Das bedeutet, dass Zugrichtung und damit Funktion durchaus unterschiedlich seien kann.


Quellen:
[1] R. Shane Tubbs, Mohammadali M. Shoja and Marios Loukas. Bergman’s Comprehensive Encyclopedia of Human Anatomic Variation [cited 2018 May 23].
[2] R. Shane Tubbs, Mohammadali M. Shoja and Marios Loukas. Bergman’s Comprehensive Encyclopedia of Human Anatomic Variation [cited 2018 May 23].
[3] Tzafetta K, Terzis JK. Essays on the facial nerve: Part I. Microanatomy. Plast Reconstr Surg 2010; 125(3):879–89.
[4] DAVIS RA, ANSON BJ, BUDINGER JM, KURTH LR. Surgical anatomy of the facial nerve and parotid gland based upon a study of 350 cervicofacial halves. Surg Gynecol Obstet 1956; 102(4):385–412.
[5] Tohma A, Mine K, Tamatsu Y, Shimada K. Communication between the buccal nerve (V) and facial nerve (VII) in the human face. Ann Anat 2004; 186(2):173–8.
[6] Katz AD, Catalano P. The clinical significance of the various anastomotic branches of the facial nerve. Report of 100 patients. Arch Otolaryngol Head Neck Surg 1987; 113(9):959–62.
[7] Kehrer A, Engelmann S, Bauer R, Taeger C, Grechenig S, Kehrer M et al. The nerve supply of zygomaticus major: Variability and distinguishing zygomatic from buccal facial nerve branches. Clin Anat 2018; 31(4):560–5.
[8] Farahvash MR, Abianeh SH, Farahvash B, Farahvash Y, Yagoobi A, Nazparvar B. Anatomic variations of midfacial muscles and nasolabial crease: a survey on 52 hemifacial dissections in fresh Persian cadavers. Aesthet Surg J 2010 [cited 2018 May 23]; 30(1):17–21.