Der Fazialisnerv mit seinen Astsystemen ist für die Ansteuerung der Gesichtsmuskulatur (mimische Muskulatur) verantwortlich. Die äußere Form des Gesichts wird vor allem durch markante knöcherne Strukturen (knöcherne Augenhöhle, Jochbein, Unterkieferknochen) geprägt, erhält seinen individuellen Charakter und Ausdruck jedoch durch die mimische Muskulatur. Weiterhin geben auch Falten, wie beispielsweise die Kinnlippenfurche (Sulcus mentolabialis oder Philtrum) und Nasenwangenfurche (Sulcus nasolabialis) dem Gesicht Kontur. Die 21 Muskeln pro Gesichtshälfte reagieren in Bruchteilen von Sekunden und können die emotionale Situation extrem variantenreich widerspiegeln. Das liegt mitunter an der besonderen Konzeption dieser Muskeln. Sie liegen ohne Faszien (Bindegewebehüllen von Muskeln) im Unterhautfettgewebe (subkutan), in dem die Muskeln über elastische Endsehnen verankert sind. Eine Besonderheit ist außerdem die erhöhte Anzahl an motorischen Endplatten an den Muskelfasern.

Im Vergleich zur Skelettmuskulatur, bei welcher nur eine einzige Endplatte pro Faser vorhanden ist, die meist zentral lokalisiert ist, sind bei der mimischen Muskulatur meist mehrere motorische Endplatten über den gesamten Faserverlauf verteilt [1]. Die Gesichtsmuskulatur kann dadurch präziser und dynamischer angesteuert werden. Zwei wesentliche Muskeln der mimischen Muskulatur sind der Augen- und der Mundringmuskel. Der Augenringmuskel (M. orbicularis oculi) ist direkt unter der Haut ringsherum um das Auge lokalisiert. Er nimmt einen wichtigen Einfluss auf die Funktion und Mimik der Augenlider. Der Mundringmuskel (M. orbicularis oris) hingegen steuert mitunter die Weite und Konfiguration der Mundöffnung. Wird er hingegen gewollt vollständig kontrahiert, so spitzen sich die Lippen.

Abbildung 1
Zwei wesentliche Muskeln der mimischen Muskulatur sind der Augen- und der Mundringmuskel.

Beide Muskeln sind schematisch in das Foto rechts oben eingezeichnet. Die im unteren Bild dargestellten Muskeln des Mund- und Wangenbereichs setzen an unterschiedlichen Stellen am Mundwinkel und am Ringmuskel an und besitzen auch verschiedene Zugrichtungen. Dieses Zusammenspiel der Vektoren macht die Mundöffnung bzw. das Lächeln so facettenreich. Des Weiteren sind Insertion und Hauptvektorrichtung der Muskeln von Mensch zu Mensch unterschiedlich angelegt. Gerade im Bereich der Mund- und Wangenregion sind die Variationen groß [2]. Anhand der Animationen unterhalb lässt sich das Zusammenspiel der Muskeln studieren.

Abbildung 2
Darstellung der hauptsächlich an der Bewegung des Mundes beteiligten Muskeln, mit ihrer jeweiligen Zugrichtung.

Funktionen der mimischen Muskulatur und verantwortliches Fazialisnervenastsystem

(deutsche Muskelbezeichnungen) [2]

Astsystem Muskel Funktion
Schläfenbereich Augenbrauenrunzler Senkt und zieht die Augenbrauen nasenwärts
  Schlanker Muskel Zieht den inneren Augenbrauenteil nach unten
Schläfe & Jochbein Augenringmuskel Schließt die Augenlider
Jochbein & Backe Großer Jochbeinmuskel Hebt die Mundwinkel
Backe Kleiner Jochbeinmuskel Hebt die Oberlippe an
  Oberlippenheber Hebt die Oberlippe und die Nasenwangenfurche
  Oberlippen- und Nasenflügelheber Hebt die Nasenwangenfurche und komprimiert die Wange
  Lachmuskel Zieht den Mundwinkel nach außen
  Backenmuskel Zieht den Mundwinkel nach außen und komprimiert die Wange
  Mundwinkelheber Zieht den Mundwinkel nach oben und innen
  Mundringmuskel Schließt und komprimiert die Lippen
  Nasenmuskel  
  Nasenflügelheber Bläht die Nasenflügel auf
  Nasenflügelschließer Verengt die Nasenlöcher
Backe & Kiefer Mundwinkelsenker Senkt die Mundwinkel
Kiefer Unterlippensenker Senkt die Unterlippe
  Kinnmuskel Zieht das Kinn nach oben
Hals Halshautmuskel Zieht Kiefer, Mundwinkel & Unterlippe nach unten

Lernmodell:

Interaktive 3-D Graphik der mimischen Muskulatur

Mit diesem 3D-Lernmodell können Sie sich intensiv mit der Gesichtsmuskulatur, die für die Mimik und andere wichtige Funktionen verantwortlich ist, auseinandersetzen. Das 3D-Lernmodell wurde von unseren Freunden von ANATOMYNEXT (www.anatomynext.com) erstellt, die unsere Seite mit ihren hervorragenden 2D und 3D Lehrmodellen bereichern. Veranschaulichen Sie sich die Lagebeziehung der einzelnen Muskeln zueinander und zu wichtigen Fixpunkten im Gesicht, z.B. dem Augen- und Mundkomplex. Lernen Sie die Muskelbezeichnungen, ihren Ursprung (o = origin), Ansatz (i = insertion) und ihre individuelle Funktion (a = action). Zoomen/Weitwinkel funktioniert mit dem Mausrad. Wenn Sie mit der linken Maustaste das Modell anklicken und halten, lässt es sich in alle Richtungen bewegen. Das Symbol mit zwei Pfeilen rechts unten zeigt das Modell im Fullscreen-Modus.

Funktionen der mimischen Muskulatur und verantwortliches Fazialisnervenastsystem

(lateinische Muskelbezeichnungen) [2]

Astsystem Muskel Funktion
Temporal Corrugator supercilii Senkt und zieht die Augenbrauen nasenwärts
  Procerus Zieht den inneren Augenbrauenteil nach unten
Temporal & Zygomatisch Orbicularis oculi Schließt die Augenlider
Zygomatisch & Buccal Zygomaticus major Hebt die Mundwinkel
Buccal Zygomaticus minor Hebt die Oberlippe an
  Levator labii superioris Hebt die Oberlippe und die Nasenwangenfurche
  Levator labii superioris alaeque nasi Hebt die Nasenwangenfurche und komprimiert die Wange
  Risorius Zieht den Mundwinkel nach außen
  Buccinator Zieht den Mundwinkel nach außen und komprimiert die Wange
  Levator anguli oris Zieht den Mundwinkel nach oben und innen
  Orbicularis oris Schließt und komprimiert die Lippen
  Nasalis  
  Dilator naris Bläht die Nasenflügel auf
  Compressor naris Verengt die Nasenlöcher
Buccal & Marginal mandibular Depressor anguli oris Senkt die Mundwinkel
Marginal mandibular Depressor labii inferioris Senkt die Unterlippe
  Mentalis Zieht das Kinn nach oben
Cervical Platysma Zieht Kiefer, Mundwinkel und Unterlippe nach unten

Anatomische Strukturen des Gesichts ohne Muskulatur

Während die linke Gesichtshälfte u. a. knöcherne und bindegewebige Bezugspunkte wie bspw. das Jochbein (Os zygomaticum) oder die temporale bzw. temporoparietale Faszie (Fasciae temporalis et temporoparietalis) veranschaulicht, vermittelt die rechte Gesichtshälfte einen Eindruck von der Komplexität der nervalen, arteriellen und venösen Versorgung des Gesichts. Wenn Sie mit der linken Maustaste das Model anklicken und halten, lässt es sich in alle Richtungen bewegen.

Quelle: Skull Base and Cerebrovascular Laboratory at University of California San Francisco. FTOZ- Model 2. 2018. sketchfab.com/3d-models/ftoz-model-2-b50510ccd1ad43f09e0e6f4d34858b0a. Accessed on 11/15/2020. CC BY-SA 4.0. creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0.

Quellen:
[1] Happak W, Burggasser G, Liu J, Gruber H, Freilinger G. Anatomy and Histology of the Mimic Muscles and the Supplying Facial Nerve. In: Stennert ER, Kreutzberg GW, Michel O, Jungehülsing M, editors. The Facial Nerve. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg; 1994. p. 85–6.
[2] Farahvash MR, Abianeh SH, Farahvash B, Farahvash Y, Yagoobi A, Nazparvar B. Anatomic variations of midfacial muscles and nasolabial crease: a survey on 52 hemifacial dissections in fresh Persian cadavers. Aesthet Surg J 2010 [cited 2018 May 23]; 30(1):17–21.