Synkinesien werden Bewegungsstörungen genannt, die nach Verletzung des Fazialisnerven durch eine abnorme Heilung der Nervenfasern entstehen. Es kommt zu auffälligen Asymmetrien des Gesichts durch eine unwillkürliche Mitbewegung nicht an der beabsichtigten Bewegung beteiligter Muskeln.

Im Rahmen der Nervenheilung des Fazialisnervens nach Bell-Parese kommt es nicht selten zu einer Fehlverschaltung der Nervenzellen im Rahmen des Heilungsprozesses der Nervenfasern im Felsenbeinkanal. Das bedeutet, dass von den durch den Patienten willkürlich richtig angesteuerten Nervenfasern auch falsche Nervenfasern erregt werden und parallel Bewegungen nicht beabsichtigter Muskelgruppen gleichzeitig eingeleitet werden. Häufig wird beispielsweise der Augenringmuskel unbeabsichtigt beim Lächeln/Lachen mit kontrahiert, so dass es parallel zu einem unwillkürlichen Augenschluss kommt. Auch umgekehrt zeigt sich bei Synkinesien simultan eine unbeabsichtigte Aktivität der oberlippenhebenden Muskulatur und Wangenmuskulatur beim willkürlichen Augenschluss.

Bei diesem Patienten kommt es bei einer gewollten Ansteuerung der Mundregion parallel zu einer Anspannung des oberen Anteils des Augenringmuskels links. Die Folge ist eine ungewollte Teilschlussbewegung des Oberlides. Synkinesien sind generell schwer zu therapieren. Abhilfe schaffen kann jedoch die Injektion von kleinen Mengen Botulinumtoxin. Die Wirkung hält jedoch nur vier bis sechs Monate an und kann bei Bedarf auf Wunsch des Patienten beliebig oft wiederholt werden. Bei schweren Formen sind auch operative Eingriffe möglich, die zwar die zugrundeliegende "Fehlverschaltung" von Nervenfasern im Fazialisnervenhauptstamm nicht beheben, jedoch durch andere Prinzipien eine "Neuordnung" der Nervenimpulse erreichen können. Beispielsweise können Nerventransplantationen korrekt zuzuordnende Nervenfasern des intakten Fazialisnerven der Gegenseite spezifisch ausgewählte Muskelgruppen ansteuern und einige fehlverschaltete Nervenäste entfernt werden. Neurektomien, d.h. die gezielte Ausschaltung unphysiologisch agierender Nervenunteräste können die Beschwerden ebenfalls deutlich mindern oder beheben.