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Behandlungs- und Operationszeitpunkt

Dem Zeitpunkt der Therapie kommt entscheidende Bedeutung zu. Er wird nach wie vor von vielen ärztlichen Kollegen, Therapeuten und Patienten unterschätzt.

Die besten Ergebnisse werden in der frühzeitigen Behandlung von Gesichtsgelähmten erzielt. Während bei Kindern zu Beginn der Fazialisparese die Augenschlussfunktion häufig über Jahre oder Jahrzehnte zur Benetzung der Hornhaut ausreicht, besitzt der Schutz der Hornhaut des Auges beim Erwachsenen oberste Priorität. Neben konservativen Maßnahmen wie Einträufeln von künstlichen Tränen und Anlage von sogenannten "Uhrglasverbänden" zur Nacht ist es beim Erwachsenen bereits in den ersten Wochen nach Auftreten der Gesichtslähmung empfehlenswert zur Beschwerung des Oberlides an versteckter Stelle ein kleines Gold-/Platingewicht einzubringen, um bleibende Schäden zu verhindern. Dies kann die Patienten unterstützen, zumindest wieder einen annähernden Augenschluss und einen physiologisch wichtigen Blinzelreflex zur Hornhautbenetzung zu bewerkstelligen. Hierdurch lässt sich ein drohender Hornhautschaden bei zu geringer Benetzung mit Tränenflüssigkeit erfolgreich abwenden. Für die klinische Praxis ist es weiterhin wichtig, dass nach Einsetzen der Fazialisparese und ausbleibenden Anzeichen einer fortschreitenden adäquaten Funktionsrückbildung eine plastisch-chirurgische Behandlung zur Erhaltung der mimischen Muskulatur bereits nach 6 Monaten begonnen werden sollte.

Es gilt das "time-is-muscle"-Prinzip, denn nach Ablauf eines Zeitraumes von 12-18 Monaten ohne Nutzung der mimischen Muskulatur ist diese wegen der fehlenden Nervenstimulation unwiderruflich geschwächt. Es kommt zu einer Umwandlung der betroffenen Muskelgruppen in Fettgewebe mit einem vollständigen Verlust der Mimik und weiterer wichtiger Funktionen der Gesichtsmuskulatur. Wird jedoch vor diesem Zeitpunkt eine schonende Nervenumlagerung ("Nerventransfer") und ggf. zusätzlich eine Nerventransplantation vorgenommen, kann die mimische Muskulatur auch ohne funktionierenden Fazialisnerven auf der gelähmten Gesichtshälfte erhalten werden und ihre ursprüngliche, detailreiche Funktion eventuell wieder vollständig aufnehmen.

Es existieren jedoch auch nach Ablauf dieses Zeitfensters eine Vielzahl von Möglichkeiten. Ist eine Nervenumlagerung nicht mehr möglich kann mit der Einbringung von Eigengewebe, die Durchführung von motorischen Ersatzplastiken (z.B. Umlagerung eines Teils der Kaumuskulatur ohne Funktionsverlust der Kaufähigkeit) oder der freien Transplantation funktionierender Muskeln den Patienten wieder zu viel mehr Symmetrie und Dynamik (Bewegung, Reaktionsvermögen) im Gesicht verholfen werden.


Quellen:
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