https://www.fazialis.de/de/behandlung/operative/dynamisch/nervenumlagerungen-und-nerventransplantation/wangen-und-mundregion/
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Eine Fazialisparese geht mit zahlreichen Einschränkungen im Mund- und Wangenbereich einher. Auf Grund der fehlenden nervalen Stimulation kommt es zur Atrophie der Gesichtsmuskulatur und einem damit einhergehenden Gewebeschwund, welcher zur Erschlaffung der darüber liegenden Haut führt. Vergleichbar ist dies mit dem natürlichen Alterungsprozess, bei dem Fettpolster abgebaut werden und das Bindegewebe an Spannung verliert [1]. Bei Fazialispatienten kommt es zu einer "schnelleren Alterung", aber nur auf einer Seite. Dies fällt nicht nur bezüglich der Symmetrie auf, sondern beeinträchtigt den Patienten auch bei der Nahrungsaufnahme und bei der Artikulation [2].

Beispielsweise sorgt der M. buccales bei der Kaubewegungen dafür, dass der Speisebrei in die Mitte zurück gedrückt wird. Fällt dieser Muskel aus bleiben Nahrungsreste in den Wangentaschen zurück. Fehelende Muskelspannung führt auch zu einer mangelhaften "Abdichtung" des Mundes (M. orbicularis oris), was die Patienten vor allem beim Trinken beeinträchtigt. Es kommt hier, stärker bei älteren Patienten, zu einer Limitation der oralen Kontinenz (Trinkmenge, die im Mund gehalten werden kann) auf weniger als 20 ml [3]. Ein Überschreiten dieser Menge führt zum "drooling mouth effect" (einseitige orale Inkontinenz).

Bei der Artikulation fällt auf, dass durch die Erschlaffung der einen Gesichtshälfte die Aussprache weniger deutlich als bei Nicht-Beeinträchtigten ist [4].

Das Einbringen eines Muskeltransplantats im Wangenbereich bzw. die Reanimation der originären Muskulatur kann alleine durch den Substanzrückgewinn, nicht nur die Symmetrie wieder herstellen, sondern über die Straffung des Gewebes die oben genannten Probleme verbessern [5].  


Quellen:
[1] Stuzin JM. Restoring facial shape in face lifting: the role of skeletal support in facial analysis and midface soft-tissue repositioning. Plast Reconstr Surg 2007; 119(1):362-76; discussion 377-8.
[2] Swart BJM de, Verheij JCGE, Beurskens CHG. Problems with eating and drinking in patients with unilateral peripheral facial paralysis. Dysphagia 2003; 18(4):267–73.
[3] Seçil Y, Aydogdu I, Ertekin C. Peripheral facial palsy and dysfunction of the oropharynx. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2002; 72(3):391–3.
[4] Movérare T, Lohmander A, Hultcrantz M, Sjögreen L. Peripheral facial palsy: Speech, communication and oral motor function. Eur Ann Otorhinolaryngol Head Neck Dis 2017; 134(1):27–31.
[5] Myckatyn TM, Mackinnon SE. The surgical management of facial nerve injury. Clinics in Plastic Surgery 2003; 30(2):307–18.