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Bleibt eine Heilung des ausgefallenen Gesichtsnervs nach 1-1,5 Jahren aus, bzw. wird nicht innerhalb dieses Zeitraums der Nerv chirurgisch repariert ist die mimische Muskulatur meist so geschwächt, dass sie nicht wiederbelebt werden kann. Doch auch diese Fälle sind nicht aussichtslos: beim älteren Patienten ab etwa 75 Jahren lassen sich mit statischen Aufhängungen und Muskel-Ersatzoperationen erhebliche Besserungen hinsichtlich Funktion und Ästhetik erzielen.

Operative Verfahren zur Wiederherstellung der Dynamik im Gesicht können gleichzeitig durch die schonende Umlagerung noch funktionierender Muskelgruppen im Gesicht erfolgen. Hiermit lassen sich erfolgreich Teilfunktionen der Gesichtsmimik einer vollständig oder partiell gelähmten Gesichtshälfte rekonstruieren.

Mit Muskelumlagerungen gewisser Muskelgruppen der Kaumuskulatur lassen sich beispielsweise funktionell bedeutende Gesichtsbewegungen wie Augenschluss und Mundwinkelansteuerung zum Lachen/Lächeln wiederherstellen, ohne dass die Kaufunktion beeinträchtig wird. Der Erfolg einer wiedergewonnenen Dynamik und Symmetrie ist für den Patienten bereits unmittelbar nach der Operation bemerkbar.

Vor der Operation demonstriert diese 85-jährige Patientin eine massive Asymmetrie bei einem vollständig gelähmtem Augenschluss rechts. Es zeigt sich zusätzlich ein stark hängendes Unterlid rechts und schlaffes Wangengewebe. Ein Ausfall des Fazialisnerven nach Tumorresektion (Akustikusneurinom-OP) hatte zu einer chronischen Gesichtslähmung durch den Verlust der gesamten mimischen Muskulatur rechtsseitig geführt (linkes Bild). Bildmitte: bereits unmittelbar nach der Wiederherstellungsoperation mit einer Muskelumlagerung der Kaumuskulatur (Gilies-McLaughlin- bzw. Labbe-Operation) vermag die Patientin willkürlich das rechte Auge vollständig zu schließen. Rechtes Bild: Neben einem deutlichen Symmetriegewinn kann die rüstige Dame nach Operation ein aktives Lächeln produzieren und ist in ihrer Sozialfunktion bestärkt.

Temporalis-Muskel (Schläfenmuskel, musculus temporalis)
Der Temporalis-Muskel ist einer von insgesamt vier der wesentlichen Kaumuskeln. Er ist ein starker Muskel. Bei der Kaubewegung, wie hier bei einem guten Freund des Autors zu sehen, sind seine Umrisse manchmal gut erkennbar. Anteile des Temporalismuskel eignen sich zur Wiederherstellung eines willkürlichen Augenschlusses (modifizierte Gillies-Operation). Die Sehne des gesamten Muskels wird bei der modifizierten McLaughlin-Plastik oder der Labbé -Operation zur Ansteuerung des Mundwinkels verwendet. Mit einer Minderung der Kaufunktion auf dieser Seite muss der Patient allerdings nicht rechnen, da die restliche Kaumuskulatur die Funktion sehr gut kompensiert.