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Wir sind seit Jahren auf die Therapie bei früher (akuter) und bei chronisch bestehender Gesichtslähmung spezialisiert. Entgegen einiger anderer Zentren für Gesichtslähmung werden in unserem Team das gesamte international bewährte Spektrum, eine ganzheitliche Behandlung und sowie jegliche anerkannte nicht-chirurgische Behandlungen und chirurgischen Rekonstruktionsmöglichkeiten für die Gesichtslähmung angeboten. Dank regem Austausch mit internationalen Spezialzentren, einer kontinuierlichen Weiterbildung zur Spezialisierung und den laufenden Forschungsprojekten können daher Behandlungskonzepte und Operationsverfahren angeboten werden, die dem höchsten und neusten Wissenschaftsstand sowie internationalen Standards entsprechen. Die Therapie wird dabei immer auf den Patienten als Individuum angepasst und gemeinsam mit diesem festgelegt. Häufig bieten individuelle, maßgeschneiderte Lösungen für die Patienten die größten Erfolge. Prinzipiell gibt es keine Einschränkungen hinsichtlich des Alters oder bestehender Begleiterkrankungen. Einige Operationsmethoden können in lokaler Betäubung (Lokalanästhesie) durchgeführt werden, andere tiefgreifendere Korrekturen werden in schonender Vollnarkose (Allgemeinanästhesie) angeboten. Bei Asymmetrien im Rahmen unvollständiger Gesichtslähmungen (Teillähmungen einer Gesichtshälfte) können eventuell nur Injektionsbehandlungen (z.B. mit Botulinum-Toxin, "Botox" oder Eigenfett, Lipofilling oder – grafting genannt) zur Anwendung kommen und auf eine Operation gänzlich verzichtet werden.

Frühzeitige operative Therapie einer späten Operation überlegen

Anbei möchten wir nochmal auf die Bedeutung einer frühzeitigen Therapie hinweisen. Betroffene einer partiellen oder vollständigen Gesichtslähmung müssen häufig mit sehr schweren funktionellen und ästhetischen Einschränkungen kämpfen. Häufig wird Ihnen durch ihr Leiden viel an Selbstwertgefühl und sozialem Interaktionsvermögen geraubt. Jedoch muss der Patient, insbesondere bei irreversiblem Funktionsverlust des N. Fazialis, sich heutzutage im Gegensatz zur Vergangenheit nicht mehr in gleicher Weise mit seinem Schicksal abfinden. Auch wenn der Gesichtsnerv (Fazialisnerv) nicht mehr funktioniert: es gibt viel Hoffnung auf maßgebliche Besserung. Leider zeigt sich in Deutschland folgende Situation: einerseits gibt es sehr viele Betroffene (etwa 20-30/100 000 Menschen, etwa ein Viertel hiervon trägt dauerhafte Funktionsverluste davon), denen nicht ausreichend geholfen wird, und andererseits finden sich nur sehr wenige solide Anlaufstellen für eine suffiziente operative Wiederherstellung für Funktion, Mimik, Symmetrie und Form.

Die Realität von Fazialispatienten ist häufig etwas erschreckend. Oftmals werden Patienten sehr lange (über 1- 1,5 Jahre) mit vergeblichem Warten auf eine (häufig unrealistische) Besserung vertröstet, während die mimische Muskulatur durch den ausbleibenden Nervenreiz trotz konsequenter Physio-/Ergotherapie und Logopädie stetig abbaut und schließlich verloren geht (Atrophie: kontinuierliche, unumkehrbare Umwandlung zu Fettgewebe, die nach anderthalb Jahren irreversibel abgeschlossen ist). Selbst dann, kann immer noch mit einer freien Muskelverpflanzung oder Muskelumlagerung (Temporalistransfer) gut geholfen werden. Die freie funktionelle Muskeltransplantation (z.B. eines kleinen gracilis-Muskels vom Oberschenkel) ist durch moderne mikrochirurgische Methoden zwar mittlerweile auch sehr erfolgreich, produziert auch in unseren Händen gut funktionierende und reproduzierbare Ergebnisse und vermag viel Leid der Patienten zu mildern, jedoch liegt es nahe, dass ein einzelner transplantierter Muskel nur einen Teil der Funktion von 21-24 Gesichtsmuskeln einer Gesichtshälfte mit verschiedenen Vektoren ersetzen kann. Im früh-sekundären Stadium, also nach Abwarten einer Primärphase von etwa 6 Monaten (max 9 Monaten) ist daher eine schonende Nervenumlagerung (’Nerventransfer’) eines Unterastes des Kaumuskelnerven, ggf. mit einer zusätzlichen Nerventransplantation (ab 6 Monaten nach Auftreten der Lähmung ohne Besserungszeichen) wesentlich eleganter und einfacher durchzuführen, um wichtige Funktionen zu erhalten bzw. wiederzuerlangen. Im besten Fall können hierdurch alle 21-24 Gesichtsmuskeln erhalten werden. Die Nervenumlagerung (‚Nerventransfer') und -transplantation haben keine nennenswerten funktionellen Nachteile für den Patienten. Die Kaufunktion bleibt vollständig erhalten.  

Sehr hilfreich wäre es also für diesen Teil der Patienten, wenn eine zeitgerechtere Indikationsstellung zur Nervenumlagerung getroffen würde. Die Unkenntnis derer und auch weiterer spezieller plastisch-chirurgischer Verbesserungsmöglichkeiten der Moderne betrifft sowohl ärztliche Kollegen aller Fachbereiche, Therapeuten und natürlich in erster Linie Patienten. Sie führt allzu häufig dazu, dass zur Erhaltung der mimischen Muskulatur wertvolle Zeit unnötig verstreicht.

In der neuesten Fassung der S2-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) "Therapie der idopathischen Gesichtlähmung (Bell's Palsy)" vom März 2017 finden sich zumindest immerhin im Appendix Empfehlungen für einen weitaus früheren operativen Handlungsbedarf, als in der Vergangenheit praktiziert, um potenziell funktionierende Gesichtsmuskulatur für die Rückgewinnung wichtiger Funktionen und der Mimik zu erhalten.

Dauerhafte Ergebnisse der Operationsverfahren

Die Langzeitentwicklung ist sehr gut, einmal wiedererlangte Funktionen sind üblicherweise von dauerhaftem Wert. Hiervon ausgenommen ist freilich eine mit dem Alter des Patienten zunehmende Laxizität der Gesichtshaut, so dass z.B. eine durch statische Aufhängeplastiken erzielte orale Kontinenz durch strafferes Wangengewebe und wiedergewonnene Symmetrie sich über den Verlauf von vielen Jahren im Zuge der natürlichen Gewebealterung wieder etwas verschlechtern können. Diese geringen Probleme sind dann jedoch beispielsweise einer weiteren statischen Rekonstruktion oder Gewebestraffung erneut zugänglich. Verlagerte Muskelgruppen oder frei transplantierte, funktionierende Muskel hingegen, haben sie einmal ihre Funktion aufgenommen, behalten diese dauerhaft. Dasselbe zählt für Nervenumlagerungen und Nerventransplantationen.


Quelle:
[1] S2-Leitlinie "Therapie der idopathischen Gesichtlähmung (Bell's Palsy)" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) März 2017: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-013.html